
Bundesnetzagentur senkt Fernverkehrs- und Güterverkehrstransiteentgelte, erhöht Regionaltarife nach EuGH-Urteil
Die Bundesnetzagentur teilte am 22. Juli 2026 mit, dass sie ihre Dezember-2025-Genehmigung der Trassenentgelte für 2026 für die Infrastrukturbetreiber DB InfraGO AG und DB RegioNetz Infrastruktur (RNI) GmbH widerrufen und infolge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs neue Entgelte genehmigt hat.
Der EuGH hatte am 19. März 2026 entschieden, dass die im Eisenbahnregulierungsgesetz (ERegG) festgelegte gesetzliche Obergrenze für jährliche Trassenpreiserhöhungen im Schienenpersonennahverkehr nicht mit dem EU-Recht vereinbar ist. Die Bundesnetzagentur erklärte, die Obergrenze sei unabhängig von der tatsächlichen Kostenentwicklung der DB InfraGO angewendet worden, sodass Fernverkehr und Güterverkehr Kostensteigerungen getragen hätten, die eigentlich dem Regionalverkehr hätten zugerechnet werden müssen.
Mit der neuen Genehmigung steigen die Entgelte der DB InfraGO für den Schienenpersonennahverkehr um 9 %, während sie für den Schienenpersonenfernverkehr um 17 % und für den Güterverkehr um 12 % sinken. Bei der DB RNI erhöhen sich die Nahverkehrsentgelte um 11 %, die Fernverkehrsentgelte sinken um 18 % und die Güterverkehrsentgelte um 14 %. Die Bundesnetzagentur erklärte, die Änderung verschiebe rund 400 Millionen Euro an Kosten vom Fernverkehr und Güterverkehr auf den Schienenpersonennahverkehr.
Der VDV, der deutsche Verband öffentlicher Verkehrsunternehmen, bezeichnete die neuen Entgelte als „marktkonform", kritisierte jedoch das Verfahren: Die Entscheidung sei unter Zeitdruck mitten in der Sommerferienzeit getroffen worden – was er als Zeichen struktureller Unsicherheit für Betreiber, Infrastrukturmanager und öffentliche Stellen gleichermaßen wertete, wie Verkehrsrundschau berichtete.
Die Behörde teilte mit, dass Abrechnungsanpassungen zwischen den Eisenbahnunternehmen und den beiden Infrastrukturbetreibern nun direkt abgewickelt werden und dass eine gesonderte Entscheidung zu den Trassenentgelten für 2025 noch im Laufe des Jahres 2026 ausstehe.

