
Eurostar erhöht Hitzetoleranz auf 55°C für 50 Alstom-Doppelstockzüge
Eurostar hat die Spezifikationen für 50 Doppelstockzüge, die beim französischen Hersteller Alstom bestellt wurden, dahingehend geändert, dass diese bei Temperaturen von bis zu 55°C betrieben werden können – eine Erhöhung um 10 Grad gegenüber der ursprünglichen Anforderung von 45°C. Die Änderung betrifft die Celestia-Flotte im Rahmen eines Vertrags über €2 Mrd.
Die überarbeitete Spezifikation stärkt die Klimaresilienz nach schweren Hitzewellen im Vereinigten Königreich und in Westeuropa. Der neue Schwellenwert von 55°C – entsprechend 131 Grad Fahrenheit – gewährleistet, dass Bordausrüstung und -systeme unter extremen Hitzebedingungen funktionieren können, die bis zur Mitte dieses Jahrhunderts häufiger auftreten dürften. Der ursprüngliche Vertrag sah eine Betriebstemperaturgrenze von 45°C vor, einem Standardwert für europäisches Hochgeschwindigkeits-Rollmaterial.
Der Auftrag über 50 Züge umfasst Doppelstock-EMUs (elektrische Triebzüge mit Fahrgastraum auf zwei Ebenen), die für den Betrieb durch den Ärmelkanal konzipiert sind. Die Alstom Celestia-Plattform wird ältere Fahrzeugtypen im Netz von Eurostar ersetzen, das das Vereinigte Königreich mit Frankreich, Belgien und den Niederlanden verbindet. Der Vertragswert von €2 Mrd., entsprechend £1,7 Mrd., deckt die Grundbestellung ab. Die Anpassung der Hitzetoleranz stellt eine technische Änderung dar und ist nach verfügbaren Quellen nicht mit einer gesonderten finanziellen Verpflichtung verbunden.
Europäische Betreiber sind während sommerlicher Hitzeereignisse zunehmend mit Betriebsunterbrechungen konfrontiert, da Oberleitungssysteme und Bordklimaanlagen oberhalb der Auslegungstemperaturen störanfällig sind. Die 55°C-Spezifikation macht Eurostars neue Flotte zu einer der hitzebeständigsten Hochgeschwindigkeitszug-Garnituren in Europa, vergleichbar mit Rollmaterial, das für das Klima im Nahen Osten ausgelegt ist. Die Änderung bereitet den Betreiber auf das vor, was Quellen als saudi-arabische Sommerbedingungen beschreiben, die bis zur Mitte des Jahrhunderts in Teilen Europas erwartet werden.
Die Vertragsänderung folgt einem Muster der Infrastrukturanpassung in europäischen Eisenbahnnetzen. Betreiber haben bei jüngsten Hitzewellen Geräteausfälle und Zugausfälle verzeichnet, als die Umgebungstemperaturen die Auslegungsparameter für Fahrmotoren, Klimaanlagen und Signalanlagen überschritten. Die verbesserte thermische Auslegung der Celestia-Flotte zielt auf eine stabile Betriebsfähigkeit in den Sommermonaten ab, in denen die Fahrgastnachfrage auf den Kanaltunnelstrecken erfahrungsgemäß ihren jährlichen Höchststand erreicht.
Alstom hat nicht offengelegt, ob die Anpassung hardware-seitige Änderungen an Traktionssystemen, HVAC-Einheiten oder Batteriekühlkreisläufen erfordert oder ob bestehende Celestia-Konstruktionen den höheren Grenzwert durch Software- und Betriebsanpassungen erfüllen können. Die Doppelstockkonfiguration stellt im Vergleich zu einstöckigen Triebzügen zusätzliche Herausforderungen an das Wärmemanagement, da höhere interne Wärmelasten durch die Fahrgastkapazität sowie besondere Anforderungen an die vertikale Luftzirkulation bestehen.

