
Stadler zieht Einspruch gegen SBB-Auftrag im Wert von 2,48 Mrd. USD zurück, nachdem Gerichtsdokumente geschwärzt bleiben
Stadler hat am 7. April seinen Einspruch gegen die Entscheidung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zurückgezogen, Siemens Mobility einen Vertrag im Wert von 2,48 Mrd. USD für 116 Doppelstock-EMUs zu vergeben – im Rahmen eines Rahmenvertrags, der bis zu 200 Fahrzeuge umfassen kann. Der Schweizer Hersteller zog seine Klage beim Bundesverwaltungsgericht zurück, nachdem er stark geschwärzte Dokumente erhalten hatte, die nur begrenzte Klarheit über die Beschaffungsentscheidung der SBB lieferten.
Der Rückzug beseitigt ein wesentliches rechtliches Hindernis für die größte EMU-Beschaffung Europas, legt jedoch anhaltende Transparenzprobleme im Schweizer öffentlichen Auftragswesen offen. Stadlers Unfähigkeit, trotz eines formellen Gerichtsverfahrens Zugang zu zentralen Bewertungskriterien zu erhalten, verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen Lieferanten konfrontiert sind, wenn sie öffentliche Auftragsvergaben anfechten. Dieses Ergebnis könnte künftige Einsprüche von unterlegenen Bietern abschrecken, die nicht über ausreichende Unterlagen verfügen, um wirksame Klagen zu erheben.
Stadler hatte den Einspruch im November 2025 eingelegt, nachdem die SBB das unerprobte Design von Siemens dem bewährten Kiss-Modell vorgezogen hatte. Der Hersteller machte geltend, er könne nicht nachvollziehen, wie die SBB zu ihrer Entscheidung gelangt sei – zumal bereits 153 Kiss-EMUs mit einer Verfügbarkeit von 99 % im Netz der SBB betrieben werden. Der Rahmenvertrag umfasst 116 feste Bestellungen im Wert von 2,48 Mrd. USD sowie Optionen für weitere 84 Züge. Siemens wird ein neues sechsteiliges Doppelstock-Design liefern, das bislang weder in Produktion gegangen ist noch Betriebstests unterzogen wurde.
Der Fall unterstreicht die zunehmende Prüfung großer Schienenfahrzeugbeschaffungen in ganz Europa, wo inländische Hersteller immer häufiger mit internationalen Wettbewerbern konkurrieren. Stadlers Rückzug ebnet Siemens den Weg für die detaillierte Konstruktionsarbeit und Produktionsplanung für einen der größten EMU-Aufträge in der europäischen Eisenbahngeschichte. Die SBB erwartet die Übergabe der ersten Züge ab 2031.

