
Deutschlands Schienenmodernisierung verfehlt eigene Lieferziele
Eine Analyse von Railway Gazette International ergibt, dass Deutschlands rund 100 Milliarden Euro schweres Schienenerneuerungsprogramm, das darauf abzielt, die meistbelasteten Strecken des Landes bis 2030 und das gesamte Kernnetz bis 2036 zu sanieren, erheblich hinter dem eigenen Zeitplan zurückliegt.
Die Erneuerung von mehr als 40 stark frequentierten Strecken wird nun voraussichtlich mindestens fünf Jahre länger dauern als ursprünglich geplant, und die Pünktlichkeit im Fernverkehr – ohnehin einer der schwächsten Leistungsindikatoren des Netzes – hat sich selbst bei abgeschlossenen Einzelprojekten weiter verschlechtert. Der Riedbahn-Korridor zwischen Frankfurt und Mannheim, das Pilotprojekt für das Vollsanierungsmodell von Deutsche Bahn, verdeutlicht die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die Planer hatten eine Reduzierung der Störungen um 80 % erwartet, doch die tatsächliche Verbesserung lag näher an 40 %, und die vollständige ETCS-Signalisierung auf der Strecke wurde erst im April 2026 in Betrieb genommen.
Angesichts des schleppender als erhofften Fortschritts hat Deutschland sein Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr für 2026 auf lediglich 60 % festgesetzt – ein implizites Eingeständnis, dass die Infrastruktursanierung noch Jahre benötigen wird, um sich in messbaren Zuverlässigkeitsgewinnen niederzuschlagen. Für eine Branche, die Deutschlands Modell als Blaupause für umfangreiche Erneuerungsvorhaben andernorts betrachtet, ist das Zurückbleiben hinter den Zielen eine Warnung davor, bei ähnlich ambitionierten Modernisierungsprogrammen schnelle Ergebnisse zu erwarten.

