
Eurostar, SBB und SNCF unterzeichnen Absichtserklärung für direkte Bahnverbindungen zwischen der Schweiz und London
Eurostar, die Schweizer SBB und die französische SNCF Voyageurs haben am 11. Mai ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, um direkte Zugverbindungen zwischen der Schweiz und London zu entwickeln.
Die Vereinbarung formalisiert die Zusammenarbeit zwischen drei nationalen Betreibern bei der Planung einer internationalen Hochgeschwindigkeitsstrecke mit prognostizierten Reisezeiten von 5 bis 6 Stunden. Die Umsetzung hängt von der Infrastrukturbereitschaft, zwischenstaatlichen Abkommen und der Verfügbarkeit von Rollmaterial ab; die frühestmögliche Inbetriebnahme wird für die 2030er-Jahre angestrebt. Das MoU stellt den ersten formellen Schritt zur Einrichtung eines Bahnkorridors zwischen London und der Schweiz dar, der die derzeit erforderlichen Umstiege in Paris umgehen würde.
Der Betrieb der Verbindung erfordert die Koordination über mehrere Schienennetze und Regulierungsrahmen hinweg. Eurostar betreibt Hochgeschwindigkeitsdienste durch den Kanaltunnel, der das Vereinigte Königreich mit Frankreich, Belgien und den Niederlanden verbindet. Die SBB verwaltet das nationale Schienennetz der Schweiz, während SNCF Voyageurs Fernverkehrsdienste in ganz Frankreich betreibt, darunter die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge. Die drei Betreiber müssen technische Standards, Zollverfahren und kommerzielle Bedingungen aufeinander abstimmen, bevor der Betrieb aufgenommen werden kann.
Derzeit erfordern Bahnreisen zwischen London und Schweizer Städten mindestens einen Umstieg in Paris, wobei die Gesamtreisezeiten mehr als 7 Stunden betragen. Eine Direktverbindung würde auf Strecken wie London–Zürich und London–Genf mit dem Flugzeug konkurrieren, die per Flugzeug zwar unter 2 Stunden Reisezeit aufweisen, jedoch An- und Abfahrt zum Flughafen sowie Sicherheitskontrollen erfordern. Das MoU folgt der Ausweitung grenzüberschreitender Hochgeschwindigkeitsdienste andernorts in Europa, darunter dem 2022 von Eurostar eingeführten direkten Dienst London–Amsterdam, der für Passagiere mit Ziel Vereinigtes Königreich den obligatorischen Halt in Brüssel abschaffte.

